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15-09-17
Greifswalder Lebensretter erhalten den Global Sepsis Award

Sepsis (Blutvergiftung) ist eine der häufigsten, jedoch oft fehldiagnostizierten tödlichen Erkrankungen. Die World Health Assembly (WHA), das oberste Entscheidungsorgan der Weltgesundheitsorganisation (WHO), hat deshalb mit einer Resolution im Mai dieses Jahres Sepsis erstmals als ein mit hoher Priorität zu bekämpfendes Gesundheitsproblem eingestuft. Sepsis fordert weltweit jährlich mindestens sechs Millionen Todesfälle und gilt als die Nummer eins bei den vermeidbaren Todesursachen.


Dr. Matthias Gründling und sein Team erhielten den Global Sepsis Award in Weimar (Foto: UMG/Janke)


Zehn Jahre Einsatz für ein modernes Sepsismanagement, das Leben rettet (Foto: UMG/Gründling)

Die Global Sepsis Alliance und die Welt-Sepsis-Tag-Bewegung haben die Global Sepsis Awards ausgeschrieben, um Initiativen zu würdigen, die sich für eine Verbesserung der Sepsisprävention und die Behandlung auf regionaler, nationaler oder internationaler Ebene einsetzen, indem sie Qualitätsverbesserungsprogramme initiieren. Die Global Sepsis Award Jury aus international anerkannten Experten für Patientensicherheit und Sepsis-Management wird den Global Sepsis Award 2017 in der Kategorie II (Organisationen/Institutionen) an die Qualitätsverbesserungsinitiative „Sepsisdialog“ der Universitätsmedizin Greifswald vergeben. Verliehen wurde der Preis auf dem 8. Sepsis-Kongress der Deutschen Sepsis-Gesellschaft (DSG) in Weimar (http://sepsis-2017.de/).

„Die Greifswalder Mediziner um Dr. Matthias Gründling haben neue Maßstäbe in der Bekämpfung der weit verbreiteten Todesursache gesetzt“, betonte Prof. Konrad Reinhart vom Universitätsklinikum Jena und Chairman der Global Sepsis Alliance. „Mit Unterstützung des Klinikumsvorstandes konnten sie aufzeigen, dass es wirksame Instrumente gibt, um eine Sepsis erfolgreich zu behandeln, wenn sie rechtzeitig erkannt wird. Die Greifswalder Qualitätsinitiative ist beispielhaft und Vorbild nicht nur für deutsche Krankenhäuser, sondern auch auf der internationalen Ebene.“ Für die Publikation der Ergebnisse des Greifswalder Sepssidialoges im renommierten amerikanischen Wissenschaftsjournal Critical Care Medicine* wird der Greifswalder Wissenschaftler Dr. Christian Scheer zeitgleich mit dem Roger-Bone-Preis 2017 für eine herausragende Publikation auf dem Gebiet der klinischen Sepsisforschung im deutschsprachigen Raum geehrt.


Zehn Jahre Sepsisdialog haben hunderten Patienten das Leben gerettet

Der von Dr. Matthias Gründling (Foto) aus der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin geleitete „Sepsisdialog“ an der Universitätsmedizin Greifswald kann im zehnten Jahr seines Bestehens auf große Erfolge zurückblicken. Greifswalder Wissenschaftlern des Sepsisdialoges, eines Qualitätsprojektes zu Verbesserung der Vorbeugung, Diagnostik und Behandlung der Sepsis an der Universitätsmedizin Greifswald, ist es gelungen, die 90-Tage-Sterblichkeit von schweren Verlaufsformen (schwere Sepsis, septischer Schock) in den vergangenen Jahren von 64,2 Prozent auf 45 Prozent zu reduzieren und somit mehreren hundert Patienten das Leben zu retten. „Durch intensive Schulungsprogramme zur Früherkennung, mit einem PC-Programm zur Schnellauswertung von Laborwerten und eine zügige Erstbehandlung septischer Patienten konnte das Sepsis-Notfallmanagement Schritt für Schritt optimiert werden“, sagte Initiator Dr. Matthias Gründling.

„Diese in Deutschland einmaligen Ergebnisse sind nur durch das langjährige gemeinsame Engagement von Pflegekräften, Ärzten, Hygienikern und Mikrobiologen möglich geworden“, hob der Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Prof. Klaus Hahnenkamp, hervor. In Deutschland haben 2013 die Krankenhäuser 270000 Sepsisfälle gemeldet. Nahezu 80.000 Patienten überlebten die Erkrankung nicht.
Erfolgsfaktoren in Greifswald waren systematische Fallanalysen zur Aufdeckung von Schwächen in den Behandlungsabläufen sowie die Orientierung und Verbesserung der Diagnose und Therapie auf Basis der Qualitätsindikatoren, die national und international vorgegebenen sind. Seit 2008 gibt es in Greifswald eine extra ausgebildete und vom Klinikum finanzierte „Sepsisschwester“ und im Rahmen eines krankenhausweiten Aufklärungsprogramms werden Pflegekräfte und Ärzte regelmäßig in der Früherkennung und der Notwendigkeit der Behandlung der Sepsis als Notfall geschult.


Was ist eine Sepsis?

Eine Sepsis kann durch nahezu jede Infektionserkrankung ausgelöst werden, und entwickelt sich oftmals als Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung oder Operation. Die Symptome werden oft fehlinterpretiert und die Sepsis deshalb zu spät erkannt. Die Sepsis ist die aggressivste Form einer Infektion, hervorgerufen durch Mikroorganismen wie Bakterien, Viren oder Pilze und deren Gifte. Innerhalb weniger Stunden weisen alle lebenswichtigen Organe des Menschen durch außer Kontrolle geratene Entzündungsreaktionen Störungen auf und drohen zu versagen. Der Tod kommt quasi im Zeitraffer. Frühe und oft im Krankenhausalltag verkannte Symptome einer Sepsis, gerade bei älteren Patienten, sind hohes Fieber, beschleunigte Atmung, schnellerer Herzschlag, niedriger Blutdruck und nachlassende Urinausscheidung sowie sehr häufig Verwirrtheit.


Wie die Welt gegen Sepsis kämpft

Anlässlich des jährlichen Welt-Sepsis-Tages am 13. September organisiert die Global Sepsis Alliance zusammen mit der Weltgesundheitsorganisation am 12. September 2017 von 15 bis 22 Uhr einen internationalen Sepsis-Kongress. Sepsisexperten berichten über die globalen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Erkrankung und neueste wissenschaftliche Erkenntnisse mit dem Schwerpunkt Frühgeborenensepsis (Live und kostenfrei über https://wscspotlight.org/).



Quellen/Links:

https://idw-online.de/de/news680498




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