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Im septischen Schock kommt es häufig zu einer Hyperglykämie, die durch die heute übliche Gabe von Steroiden noch verstärkt wird. Es kommt zu einem Verletzungs-Diabetes (“Diabetes of injury”), dessen Behandlung umstritten ist.
Bis vor wenigen Jahren leiteten Intensivmediziner erst dann eine Insulinbehandlung ein, wenn der Blutzucker die Nierenschwelle von 200 bis 215 mg/dl überschritten hatte. Dieses Therapiekonzept wurde verlassen, seit in einer randomisierten Studie die Sterberate von chirurgischen Intensivpatienten durch eine intensive Insulintherapie um mehr als absolute 3 Prozentpunkte gesenkt wurde (NEJM 2001; 345: 1359-1367).
Obwohl die Studie nur an einer einzelnen Klinik durchgeführt wurde, überzeugten die Ergebnisse weltweit viele Intensivmediziner, und sie wurde auch auf die Therapie von Sepsis-Patienten übertragen. Möglicherweise voreilig, wie die Ergebnisse der “Corticosteroids and Intensive Insulin Therapy for Septic Shock” oder COIITSS-Studie zeigen.
An 11 Intensivstationen in Frankreich wurden 509 Erwachsene im septischen Schock auf eine intensive oder eine konventionelle Insulintherapie randomisiert. Unter der intensiven Therapie wurden Blutzuckerwerte von 80 bis 130 mg/dl angestrebt, unter der konventionellen Insulinbehandlung begnügten sich die Mediziner auf Werte von 120 bis 130 mg/dl oder auch höher.
Am Ende blieb der Blutzucker ohne Einfluss auf die Prognose. Unter der intensiven Insulintherapie war die Sterberate sogar tendenziell höher (45,9 vs. 42,9 Prozent), wie Djillali Annane vom Hôpital Raymond Poincaré in Garches bei Paris und Mitarbeiter mitteilen. Es ist denkbar, dass die Hypoglykämien, die unter der intensiven Insulintherapie signifikant häufiger auftraten, eine Rolle spielten.
Auch bei einer intensivmedizinischen Betreuung lassen sich Blutzuckerschwankungen oft nicht vermeiden. Greet Van den Berghe von der Universität Leuven, die Leitautorin der Studie von 2001, spricht sich jetzt im Editorial für einen Glukosezielwert von 145 mg/dl bei Sepsis-Patienten aus (JAMA 2010; 303: 365-366).
Auch in einer zweiten Frage erfüllten sich die Hoffnungen nicht. Die Patienten waren auf eine alleinige Gabe von Hydrocortison (50mg-Bolus alle 6 Stunden) oder auf eine Kombination von Hydrocortison plus Fludrocortison (eine Tablette à 50µg pro Tag) randomisiert worden. Die Prognose der Patienten konnte durch diese Intensivierung der Steroidtherapie nicht verbessert werden.
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