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München, 20. November 2003
Haben Arzneimittelinnovationen in Deutschland noch eine Chance?
Moderne Arzneimittel werden in Deutschland zunehmend für die Finanzkrise der Gesetzlichen Krankenversicherung verantwortlich gemacht. Ihnen gelten schon seit Jahren die Eingriffe des Gesetzgebers und das, obwohl die
patentgeschützten Medikamente nur 3,6 % der Gesamtkosten des GKV-Marktes ausmachen. Dabei schafft ihr Einsatz medizinische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Werte, wie die Teilnehmer des Pressegesprächs von Glaxo
SmithKline GmbH & Co. KG in Berlin belegen konnten. Und sie waren sich
einig: medizinische "Innovation nach Kassenlage" kann nicht Ziel einer auf
Qualität ausgerichteten Gesundheitspolitik sein.
Professor Eberhard Wille, Vorsitzender des Sachverständigenrates für die
Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen, will die Entscheidung über den
Einsatz von neuen Arzneimitteln dem Arzt überlassen. Der Grund: In seinem
Gutachten im Auftrag von GlaxoSmithKline hat er für die Jahre 1995 bis 2002
eine so genannte Innovationskomponente errechnet. Sie dokumentiert den
Finanzbedarf, den die GKV für den Einsatz moderner Arzneimittel zur
Verfügung stellen muss. Und er konnte belegen: "Der zusätzliche Bedarf der
GKV für den Einsatz neuer Medikamente lag im Untersuchungszeitraum zwischen 2,8 % und 4,8 % der jährlichen Arzneimittelausgaben. Von einer
Kostenexplosion oder einer innovationsbedingten Finanzierungskrise kann also keine Rede sein," so Prof. Wille.
Für die gesundheitspolitische Diskussion schlug Wille die Entwicklung von
indikationsspezifischen Richtgrößen vor. Damit ließe sich sicherstellen,
dass das zusätzliche Geld für solche Indikationsgebiete zur Verfügung steht,
in denen den Patienten neue Therapien angeboten werden können.
Zu Unrecht angefeindet: Analogpräparate helfen sparen!
Professor Bertram Häussler, Direktor des Instituts für Gesundheits- und
Sozialforschung in Berlin, versteht nicht, warum die Gesundheitspolitik auf
Präparaten herumhackt, deren einziger Nachteil es ist, nicht als erste auf
den Markt gekommen zu sein. Denn diese trügen ganz erheblich zu einem
lebhaften Preis- und Präparatewettbewerb bei. Statt sie zu verteufeln,
müssten Krankenkassen ihren Einsatz fördern, da durch sie erhebliche
Einsparpotenziale für die GKV erzielt werden könnten. Dieser Wettbewerb, so
Häussler, werde von den behandelnden Ärzten durchaus wahrgenommen und für eine wirtschaftliche und moderne Patientenversorgung genutzt.
Der Arzt im Dilemma
Die Ärzte stünden vor einem Dilemma, wie der Ehrenvorsitzende der
Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, Dr. Jürgen Bausch, ausführte: Auf der
einen Seite habe der Patient Anspruch auf eine Versorgung gemäß dem
anerkannten Stand der medizinischen Wissenschaft. Auf der anderen Seite
werde der Arzt durch zahlreiche Regularien ökonomischen Zwängen unterworfen.
Bausch warnte aber vor dirigistischen Eingriffen in Form von Überregulierung
oder Überintervention. Er erinnerte aber gleichzeitig daran, dass neue
Arzneimittel ihren Zusatznutzen in der Praxis unter Beweis stellen müssten.
Unbestritten: Der Nutzen innovativer Arzneimittel
Auch Dr. Thomas Werner, Vorsitzender der Geschäftsführung von
GlaxoSmithKline wies auf die hohe Bedeutung innovativer Arzneimittel hin. So
hätten Studien belegt, dass nach der Einführung der antiretroviralen
Therapie (HAART) die Gesamtbehandlungskosten pro HIV-Patient um ein Drittel gesenkt werden konnten. Und durch den Einsatz moderner Asthmamittel konnte die Zahl der Krankenhauseinweisungen in Deutschland deutlich reduziert werden. Werner befürchtet, dass durch politische Eingriffe wie Disease Management-Programme oder Bonusverträge gesundheitliche Aspekte unter- und budgetäre Faktoren überbewertet werden: Schon jetzt schneide Deutschland bei der Versorgung mit modernen Medikamenten im europäischen Vergleich schlecht ab. Dies habe natürlich unmittelbare Auswirkungen auf die Arzneimittelforschung in Deutschland, wobei er die Rolle der pharmazeutischen Industrie betonte: Von 284 neuen Arzneimitteln, die zwischen 1990 und 1999 in den USA eingeführt wurden, wurden 93 % von der pharmazeutischen Industrie entwickelt und nur 7 % waren durch staatlich
unterstützte oder universitäre Forschung zustande gekommen. "Bedauerlich
ist, dass die meisten zur Zeit stattfindenden Diskussionen über die Rolle
der Arzneimittel im Gesundheitswesen sich nicht auf deren langfristigen
Wert, sondern auf die kurzfristigen Kosten konzentrieren", so Werner. Ein
Ausweg aus der 'Krise' sei möglich, setze aber bestimmte Rahmenbedingungen voraus. So müsse die sektorale Abschottung einer sinnvollen Kooperation aller im Gesundheitswesen Beteiligten weichen. Und er warnte vor "heimlichen Rationierungen", wie sie den Patienten unter Bonusverträgen oder Disease Management-Programmen drohten.
Unternehmensinformation
GlaxoSmithKline - eines der weltweit führenden forschungsorientierten
Arzneimittel- und Healthcare-Unternehmen - engagiert sich für die
Verbesserung der Lebensqualität, um Menschen ein aktiveres, längeres und
gesünderes Leben zu ermöglichen.
Weitere Informationen zum Unternehmen sind im Internet
www.glaxosmithkline.de - GSK-Pharma - unter 'Presse' abrufbar.
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